Montag, 16. Mai 2016

Babypause

Liebe Leserinnen und Leser,
Ihr habt es sich auch schon bemerkt - dieses Blog befand sich schon seit längerem in einer Identitätskrise. Selbst bei einem Land mit beachtlichem Lästerpotential wie Korea hat es sich irgendwann mal ausgelästert (man kann irgendwie doch nur eine endliche Anzahl an Lästerartikeln über die Koreanerin als solche und ihre verschiedenen Schönheitschirurgien schreiben). Ich nutze daher die Gelegenheit, um mich ab sofort ins La-La-Bullerbüland der Muttibloggerinnen zurückzuziehen.

Mal schauen, wie oft ich hier in Zukunft noch posten werde, es hängt wohl auch davon ab, wie gut Mademoiselle in Zukunft schläft (bis jetzt war das noch verbesserungswürdig).

Wer mir nach Bullerbü folgen will, kann das hier tun:

http://kimchimitbaby.blogspot.kr/

Bitte beachtet das La-La-Rosa Design. Zu süß, oder.

Bis bald!

Freitag, 4. März 2016

Alle Jahre wieder

...kommt in Deutschland das Christuskind und north of the border der Frühling, in dem man offensichtlich mal wieder auf sich aufmerksam machen muß. In den mittlerweile sechs Jahren, die ich in Seoul und anderswo verbracht habe, gab es z.B. die angebliche Versenkung eines Kriegsschiffes (AD 2010), mal wieder Atomwaffentests (AD 2013) und wenig überraschend auch dieses Jahr wieder das frühlingstypische "attention-seeking behavior". Dieses coole neue Wort habe ich in dem ebenfalls coolen Buch "Inside of a dog" gelernt. Miru sucht zum Beispiel meine attention, in dem er sich neben mir allerliebst auf seine Hinterbeinchen setzt, mit seinen Vorderbeinchen in der Luft herumwedelt und mich nach Möglichkeit noch mit den Vorderpfötchen anstupst. Meistens tut er das, weil er Hunger hat, Gassi gehen möchte oder Zuwendung will. 

Bei Jeongeuni aus P. (da er vier Jahre jünger ist als ich, habe ich jedes Recht, ihn so zu bezeichnen, harharhar) ist dieses Verhalten etwas weniger niedlich, aber irgendwie nicht weniger vorhersehbar. Nichtsdestotrotz geraten die globalen Medien ebenfalls alle Jahre wieder in den gleichen Ausnahmezustand, die Pyongyangologists aller Länder ergehen sich in "Expertenanalysen" aller Arten und manchmal schaltet sogar die UN 'nen Gang hoch (oder runter, je nachdem) und erläßt mäßig wirksame Resolutionen. Krieg gab es bis jetzt noch keinen, Änderungen im Verhalten auch keine. Hundeexperten sagen einem, daß die beste Erziehungsmethode positive Verstärkung ist, man den Hund also loben sollte, wenn er das macht, was man von ihm haben möchte, Sitz zum Beispiel. Man kann dem Hund auch ein Leckerli geben, vor allem am Anfang des Trainings. Vielleicht sollte man diese Methode mal mit Jeongeuni ausprobieren, er sieht irgendwie so aus, als ob er darauf ansprechen würde...

Donnerstag, 3. Dezember 2015

Was wichtig zu sein scheint


Das ist die Homepage von Korea.net, der offiziellen Homepage der Republik Korea, als Screenshot am 3. Dezember. Korea bringt ein gemeinsames Puppenspiel mit der Tschechischen Republik auf die Bühne, wie schön.
 
Wenn man das Plakat auf der rechten Seite, auf dem "Tochter des Diktators" steht und der erste Teil dieser unzweifelhaft wahren Aussage durchgestrichen ist, in sein Schaufenster hängt, bekommt man dieser Tage in Seoul wieder Besuch von der Polizei. Den Artikel dazu aus der Hangang-Prawda, ähm ich meine Hankyoreh, gibt es hier zu lesen. Schön, daß man in Deutschland wahrscheinlich keinen Besuch von den Bullen bekommnt, wenn man Plakate mit "Tochter des Pfarrers" darauf an die Wand hängt.

Nächsten Samstag soll in Seoul wieder eine Demo gegen die Regierung im allgemeinen und was auch immer im besonderen stattfinden. Die Polizei hat schon angekündigt, alle Teilnehmer daran verhaften zu lassen. Wenn so viele kommen wie beim letzten Mal (mehrere Zehntausend), dann mal viel Erfolg dabei. Aber im Zweifelsfall kann man ja à la Papa noch die Armee dazuholen und das lästige Volk gleich niedermähen.

 
Aufwachen wäre angesagt, echt wahr.




Donnerstag, 26. November 2015

Wenn die Devianz zur Norm wird II

Der Lieblingshund ist nun leider nicht mehr der Jüngste und muß wegen seiner verschiedenen Zipperlein öfter mal zum Onkel Tierarzt (bzw. neuerdings auch noch zur Tante Tierärztin) ins Lehrkrankenhaus der nächstgelegenen tierärztlichen Fakultät. Das arme Tier ist dort jedes Mal der einzige Patient, der 1. auf seinen eigenen vier Beinen antanzen muß, die anderen Lieblinge werden selbstverständlich auf dem Arm, in der Hundetrageschlinge (so wie diese Babytragetücher, Ihr wißt schon) oder im Hundekinderwagen antransportiert, und nicht, weil sie nicht in der Lage wären, selbst zu gehen, und 2. dazu auch noch völlig nackig ist, die anderen Lieblinge tragen alle selbstverständlich den letzten Schrei an Hunde-Couture, den die Hundemama von Welt ihrem Liebling so anzieht. Immer wieder verstörend ist auch die Tatsache, daß die Patienten allesamt als "애기" (Kind) sowie die Patientenbesitzer als "엄마" (Mama) bezeichnet werden. Heute morgen war mein verwilderter Köter also bei der Internistin, und während er seinen Blutdruck gemessen bekam, bei ihm klappern nämlich die Herzklappen aufgrund seines fortgeschrittenen Alters, hatte ich reichlich Gelegenheit, ethnologische Feldforschung an der Front zu betreiben. Ein Gutes hatte der tolle Vortrag letzte Woche doch - früher hätte ich ein schlechtes Gewissen dabei gehabt, andere Leute anzustarren, jetzt denke ich mir, andere Leute bekommen für sowas auch noch einen Doktortitel.

Hundemama 1, im Fake-Leopardenmantel und schon jenseits der 50, hatte ihren Yorkie in der farblich abgestimmten Hundetasche dabei. Als sie ihn kurz aus derselbigen auspackte, warum auch immer, pinkelte das gute Tierchen gleich mal auf die Sitzbänke, die eigentlich ja schon eher für die Mamas und nicht für die Babies gedacht sind. Das Konzept stubenrein ist hierzulande eher weniger weit verbreitet, die Hunde pinkeln und kacken meist, wie und wo sie gerade lustig sind, da Gassigehen (bzw. das grundlegende Konzept, daß Hunde ihre vier Beine nicht nur zur Deko haben) auch eher weniger populär ist, außer bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen. Der Yorkie einer Bekannten hat immer an die Beine ihres Klaviers gepißt, bis sie dann das Klavier abgeschafft hat. So kann man das Problem natürlich auch lösen, dachte ich mir da nur. Es gibt allerdings auch Hundewindeln (!!!). Wahrscheinlich auch noch Wickeltische dazu, damit Mama sich nicht bei der Popopflege das Kreuz verhebt.

Hundemama 2, auch nicht mehr die Jüngste, hatte ihr Baby während des gesamten Aufenthalts permanent in "Mach-mal-Bäuerchen"-Haltung auf die Schulter gehängt. Leider konnte ich die Konversation mit dem behandelnden Tierarzt nicht hören, wäre mal spannend gewesen, ob der Patient wohl an Dreimonatskoliken leidet oder was sonst der Grund für diese Vorzugsbehandlung war. Immerhin, gerülpst oder gesabbert hat er während der ganzen Zeit aber nicht, soweit ich sehen konnte.

Hundepapa 3, der selbstverständlich gemeinsam mit Mama zum Kinderarzt gekommen war, wiegte währenddessen die gesamte Zeit sein in ein kuscheliges Fleecedeckchen gehülltes Neugeborenes in den Schlaf. Es hätte nur noch gefehlt, daß er ihm dazu noch ein Wiegenliedchen vorsingt oder vielleicht noch einen Schnuller ins Mäulchen schiebt. 

Koreanische Kinder werden dagegen meist auch bei Temperaturen unter null Grad ohne Mütze, Schal oder Handschuhe auf die Straße geschickt, sitzen meist ohne Kindersitz auf dem Gepäckträger von Mamas Rad oder hopsen ungesichert im Auto rum, auch auf der Autobahn. Wahrscheinlich kriegt man die Spezialbehandlung eben nur dann, wenn es noch nicht allzu lange her ist, daß man vom Lebensmittel zum Ersatzbaby befördert wurde.

Draußen schneit und windet es übrigens, der verwilderte Straßenköter bekommt dann in guter deutscher Tradition ausnahmsweise mal seinen Hunde-Outdoormantel angezogen, wenn ihn seine böse Besitzerin vor die Türe zerrt. Was für ein Jammer, daß Jack Wolfskin keine davon herstellt.

Mittwoch, 18. November 2015

Wenn die Devianz zur Norm wird

Fast ganz neutral und wertfrei hier der heutige Tagesablauf:

6:40, ich stehe im verregneten Morgen-Grauen und warte auf den Bus in die koreanische Provinz. Der (offensichtliche) Kollege neben mir, der auf den gleichen Bus wartet, schneidet sich die Fingernägel. Laut Freundin J. hatte sie im Sommer auch mal einen Ajeossi in der U-Bahn, der sich dort die Zehennägel geschnitten hat. Ich mein, freies Land, ne.

12:00, ich sitze in unserem Forschungsseminar (hüstel), in dem heute die neue Kollegin ihre Arbeit vorstellt. Forschungsergebnisse bezieht sie aus Interviews mit den Mamas aus dem Fünf-Sinne-Entwicklungs-Mutter-und-Kind-Kurs, den sie vor fünf Jahren in der koreanischen Provinz mit ihrer Tochter besucht hat, sowie aus einem einmaligen Besuch in einer dreistündigen Veranstaltung für die Eltern aus dem dortigen Waldkindergarten. Die Mütter in dem Babykurs wollen durch die Sinnesentwicklung ihrer Kinder zu einem "national healing" beitragen, die "Direktorin" des Waldkindergartens findet, daß man als Elternteil auch zu Angestellten im Kaufhaus etc. nett sein sollte. Thema des Ganzen war übrigens "Zurückdrängen des Diskurses um die südkoreanische Geburtenratenkrise durch Sinneserfahrungen: eine ethnographische Studie frühkindlicher Erziehung". Was das Ganze mit Geburtenraten zu tun hatte, war mir auch nach dem Vortrag nicht klarer, selbst meinte sie auch, eigentlich nichts. Wer mit 20 Geisteswissenschaften nicht geil findet, hat kein Herz, wer sie mit 40 immer noch geil findet, hat keinen Verstand, denke ich mir da. Alle anderen fanden das Thema total "spannend", der VWLer-Kollege und ich hielten uns mit einer Meinung höflich zurück. Wir sind ja auch zu Angestellten im Kaufhaus nett, ne.

17:40, ich bin auf dem Weg nach Hause. Der Ajeossi, der neben seiner Frau (oder was auch immer) im Anzug die Straße entlanggeht, furzt wie ein Pferd im Gehen während mindestens zehn Sekunden vor sich hin. Vielleicht hätte man den auch mal in den Waldkindergarten oder zur Fünf-Sinne-Entwicklung schicken sollen.

Donnerstag, 12. November 2015

Unseren täglichen Aberglauben gib uns heute

Manchmal, wenn auch eher selten, habe ich ja doch das Bedürfnis, was auf Koreanisch zu lesen. Die einheimische Literatur spricht mich aus unerfindlichen Gründen auch eher selten genug an, daß ich sie mir im Original zu Gemüte führen wollen würde (und auch in Übersetzungen muß es nicht sein, sorry), damit bleiben noch Zeitungen (aufgrund der fehlenden journalistischen Qualität leider auch wenig lesenswert) oder Texte anderer Art, wie etwa Kochrezepte oder...Blogs und Onlineforen. Die beiden letzteren zeichnen sich erstens durch ihre leicht verständliche Sprache und daneben besonders durch ihren unfreiwillig hohen Unterhaltungswert aus, was einen schönen Nebeneffekt der Lektüre darstellt. 

Kostprobe gefällig? Auf dem wahrscheinlich beliebtesten Hausfrauen- und Mütterforum hatte eine Leserin das folgende Problem: der Vater ihrer besten Freundin war gestorben, sie aber leider schwanger, und traditionellerweise geht frau in Korea dann nicht zur "Trauerfeier"- auch das, wie eigentlich alles in Korea, eine aus China übernommene Tradition, die wahrscheinlich in Zeiten noch geringerer Hygiene auch tatsächlich mal Sinn gemacht hat, wenn z.B. der Leichnam noch infektiös war. Guter Rat war zum Glück nicht teuer - eine andere Leserin fragte ihre Mama um Rat, und die gab dann den folgenden Tip: Einfach in einen kleinen Beutel Salz und Chilipulver füllen, an den Trauerort gehen und den Inhalt des Beutels dann ausleeren, bevor sie wieder zu Hause ankommt. Dann ist das Ganze überhaupt kein Problem, und Leserin 1 kann ihrer besten Freundin beistehen, ohne jegliche Gefahr. Wie gut, daß ich das jetzt auch weiß.

Und ja, wir schreiben das Jahr des Herrn 2015, nicht 1415 oder so.

Und ja, man muß nicht alles an anderen Kulturen "tolerant" und offen annehmen. Kinderheiraten und weibliche Genitalverstümmelung, um nur zwei Beispiele zu nennen, sind auch Bestandteile anderer Kulturen und trotzdem Scheiße, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach.

Donnerstag, 5. November 2015

Donnerstagmorgen in Sincheon

Manchmal hat man diese Begegnungen der völlig anderen Art - als ich heute morgen gegen kurz vor 9 mit dem Hund vom ersten Spaziergang des Tages zurückkam, stand auf der Straße vor dem Haus eine offensichtlich frierende, leicht desorientiert wirkende weibliche und offensichtlich nicht-amerikanische Langnase herum. Als ich etwa zehn Minuten später Miru aufs Sofa gepackt und mich wieder auf den Weg gemacht hatte, stand sie immer noch da und quatschte mich auf Spanisch (!!!) an, wo sie denn hier ein Taxi nehmen könnte. Ich nahm sie also mit zur Hauptstraße. Zuerst sagte sie mir, sie sei aus Guatemala, zwei Sätze später begann sie dann aber einen Satz mit "In Nicara... ähm Guatemala" und ihre Aussprache im allgemeinen hörte sich total kastilianisch-spanisch und nicht lateinamerikanisch an. Ich hab sie dann in ein Taxi gesetzt und wundere mich vier Stunden später immer noch, was die Gute wohl erstens nach Korea und zweitens am frühen Morgen in unser Viertel verschlagen hat. 
Und meine Fresse, mein Spanisch ist mittlerweile nicht mehr eingerostet, sondern eher scheintot. Statt schlechten, sinnlosen Koreanischkursen sollte ich vielleicht eher mal wieder da ein bißchen Reanimation betreiben :(.